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Stolpersteinputzaktion des SHG

Am eisigen 29. Januar machten sich unseres 10. und 12. Jahrgangs auf den Weg, um innerhalb von vier Stunden möglichst viele Stolpersteine in Hildesheim zu putzen. „Stolpersteine“ wurden vom Künstler Gunter Demnig entwickelt und seit 1996 in Deutschland und anderen Ländern verlegt. Sie erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Die kleinen Messingplatten werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer in den Gehweg eingelassen, damit deren Namen und Schicksal nicht vergessen werden. Anlass für unsere Aktion war der Gedenktag am 27. Januar, an dem sowjetische Truppen 1945 das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreiten. In Deutschland ist dieser Tag heute als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ bekannt. 

Zu Beginn versammelten wir uns in der Schule, und unsere Lehrerin Frau Pasche erklärte uns das Vorgehen und bat darum, uns in Vier- bis Fünfergruppen zusammenzufinden. Nachdem auch die letzten Nachzügler am Treffpunkt erschienen waren, konnte es losgehen. Wir sammelten verschiedene Putzutensilien ein und machten uns gemeinsam auf den Weg zum ersten Einsatzort.

Nachdem wir uns unseren Weg durch den Schnee gebahnt hatten, verteilten wir uns rund um die Sedanstraße auf die ersten Stolpersteine, die gereinigt werden sollten. In der ersten Straße, die uns zugeteilt worden war, bemerkten wir schnell, dass die Gehwege noch voller Schnee und Eis waren. Deshalb suchten wir zunächst unter der Schneedecke nach den Stolpersteinen. Zu unserem Glück fanden wir die beiden in der Vionvillestraße recht schnell und konnten mit dem Putzen beginnen. 

Zuerst sorgten wir dafür, dass die Stolpersteine frei von Eis, Schnee und grobem Schmutz waren. Anschließend begann das eigentliche Reinigen. Mithilfe von Essig und speziellen Messingputzmitteln entfernten wir den feinen Schmutz und brachten die Stolpersteine wieder zu ihrem ursprünglichen Glanz. Während wir putzten, beobachteten uns Eltern mit ihren Kindern aus den gegenüberliegenden Häusern und lächelten uns anerkennend an. Neben diesen positiven Reaktionen gab es jedoch auch vereinzelte feindliche Kommentare, die anderen Gruppen zugerufen wurden. 

Nach den ersten gereinigten Stolpersteinen trafen wir uns wieder am ursprünglichen Treffpunkt, um kurz unsere Arbeit zu besprechen und uns neu zu orientieren. Anschließend machten wir uns gemeinsam auf den Weg in die Innenstadt, wo weitere Stolpersteine auf uns warteten. Auf dem Weg dorthin nutzten wir die Zeit, um uns über die bisherigen Erfahrungen auszutauschen und die Bedeutung der Stolpersteine noch einmal zu reflektieren. In der Innenstadt angekommen, teilten wir uns erneut in Gruppen auf und begannen, die zugeteilten Stolpersteine sorgfältig zu reinigen. Dabei wiederholten wir die gleichen Arbeitsschritte wie zuvor: Entfernen von Schnee, Eis und grobem Schmutz, gefolgt von gründlichem Polieren der Messingplatten, sodass die Namen und Daten der Opfer wieder gut lesbar wurden. Nach und nach konnten wir alle Steine für diesen Tag fertigstellen und sahen die unmittelbaren Ergebnisse unserer Arbeit. Es war ein gutes Gefühl, die Stolpersteine sauber und glänzend zurückzulassen und damit einen kleinen, aber sichtbaren Beitrag zur Erinnerungskultur zu leisten.

Am Ende des Tages wurde uns noch einmal bewusst, wie wichtig solche Aktionen sind. Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Durch das Reinigen der Steine tragen wir dazu bei, ihre Namen sichtbar zu halten und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Gerade in der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, die Erinnerungskultur zu bewahren und sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, damit sich solche Verbrechen nicht wiederholen.  

Text und Fotos: Maximilian Langanke, Jg. 12